

Beim Regierungswechsel 1998 fand die neue Bundesregierung eine
alarmierende Situation vor:
Nach 16 Jahren Kohl litt Deutschland unter der höchsten
Staatsverschuldung sowie der höchsten Steuer- und Abgabenlast seit
Gründung der Bundesrepublik.
Von 1982 bis 1998 hatte die Regierung Kohl die Verschuldung des Bundes
mehr als vervierfacht. Der Staat wurde von Schulden in Höhe von rund
1,5 Billionen Mark nahezu erdrückt, die Neuverschuldung drohte auf
jährlich 80 Milliarden zu steigen. Damit war der Bund kaum noch
handlungsfähig.
Statt wie 1982 versprochen die Staatsfinanzen zu sanieren, hat Kohl die
CDU-Kassen gefüllt.
Unter der katastrophalen
Finanzpolitik der Konservativen hatte jeder Bürger zu leiden: Jahr
für Jahr stiegen Steuern und Abgaben, kletterten die Beiträge zu
Renten- und Krankenversicherung. Kohls Wahlversprechen die Steuern nicht
zu erhöhen, hat er eiskalt gebrochen.

Nach dem Machtwechsel im September 1998 hat die Regierung Schröder
Schluss gemacht mit dieser falschen Politik. Schnell leitete sie die so
dringend nötige Trendwende ein.
Die Neuverschuldung des Bundes wurde drastisch
zurückgeführt unter anderem durch das 30-
Milliarden-Mark-Sparprogramm der Bundesregierung für das Jahr 2000. Das Vertrauen der
Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates und der
internationalen Wirtschaft in den Standort Deutschland wurde gefestigt.
Bereits im Dezember 1998, wenige Wochen nach der Amtsübernahme, hat
die Regierung die Steuer- und Abgabenlast deutlich gesenkt.
Mit der Senkung der Steuersätze für kleine und mittlere
Einkommen stärkte die Bundesregierung die Kaufkraft der Arbeitnehmer.
Das stimuliert die Binnennachfrage und das Wirtschaftswachstum und hilft
so, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Von 1998 bis 2000 sank der Eingangssteuersatz um drei Prozent auf 22,9
Prozent.
Gleichzeitig wurde der steuerfreie Grundfreibetrag um über 1100
Mark angehoben auf 13.500 Mark.
Familien mit Kindern wurden von 1998 bis 2000 besonders nachhaltig
entlastet. Zum Beispiel durch die Erhöhung des
Kindergeldes für das erste und zweite Kind um 40 Mark und durch die
Einführung eines Betreuungsfreibetrags für jedes Kind bis 16 Jahren
in Höhe von rund 3000 Mark.
Für Eltern mit behinderten, volljährigen Kindern wurde ein
Betreuungsfreibetrag von rund 1100 Mark sowie ein monatliches Kindergeld
von 30 Mark eingeführt.
Allein in diesem Jahr wird eine durchschnittlich verdienende Familie mit
zwei Kindern um 2200 Mark entlastet.
Die Beiträge zur Rentenversicherung wurden von 1998 bis 2000 um
einen ganzen, Prozentpunkt vermindert. Dadurch sinken die Lohnnebenkosten, und die Schaffung neuer Arbeitsplätze
wird begünstigt.
Die Zuzahlungen für Medikamente wurden reduziert. Gleichzeitig
stabilisierte die Bundesregierung die Beiträge zur
Krankenversicherung. Ein weiterer Anstieg der Lohnnebenkosten wurde so
gestoppt.


Die Bundesregierung will ihren Weg der Steuersenkung in den nächsten
Jahren konsequent weiter gehen. Nach den Regierungsplänen werden die
Steuern für Privathaushalte und Unternehmen bis 2005 gegenüber
1998 um insgesamt 70 Milliarden Mark sinken.
Diese Steuerpolitik ist sozial gerecht, da alle Bürger von den
Entlastungen profitieren, besonders Arbeitnehmer und Familien.
Sie ist solide finanziert, da durch Einsparungen zugleich die
Staatsverschuldung weiter abgebaut wird. Bis zum Jahr 2006 will die
Regierung die Neuverschuldung des Bundes sogar auf Null drücken.
Die Senkung der Einkommens- und Unternehmenssteuern fördert das
Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung, da sie die Binnennachfrage
und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken.
1. Einkommenssteuerreform
Durch die Sparerfolge von Finanzminister Hans Eichel kann die
Bundesregierung ihre Steuersenkungspläne sogar beschleunigen.
Die dritte Stufe des Steuerentlastungsgesetzes wird von 2002 auf 2001
vorgezogen.
Der Eingangssteuersatz wird bis 2001 um drei Prozent abgesenkt, bis 2005
um rund fünf Prozent.
Der steuerliche Grundfreibetrag wird weiter angehoben. Er steigt von
2000 bis 2005 um rund 10 Prozent auf über 15.000 Mark.
Ein unverheirateter Durchschnittsverdiener wird im Jahr 2005
gegenüber 1998 um 2400 Mark entlastet, die Familie eines
Durchschnittsverdieners mit zwei Kindern um über 4000 Mark.
2. Unternehmensteuerreform
Neben den umfangreichen Verbesserungen für Arbeitnehmer und Familien
will die Bundesregierung auch die Unternehmenssteuern senken. Dadurch will
sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen
verbessern, Investoren nach Deutschland holen und dadurch mehr
Arbeitsplätze schaffen.
Ab dem 1. Januar 2001 sollen einbehaltene wie ausgeschüttete
Unternehmensgewinne einheitlich mit einem Körperschaftssteuersatz von
25 Prozent belegt werden. Nach der ersten Absenkung des
Körperschaftssteuersatzes um 5 Prozent in 1999 sinkt der Satz damit
in 2001 noch einmal um 15 Prozent auf 25 Prozent.
Mit der einheitlichen Besteuerung von einbehaltenen und
ausgeschütteten Gewinnen wird die Gewinnentnahme nicht länger
begünstigt. Dadurch sollen im Unternehmen Anreize für
Investitionen und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze
geschaffen werden.
Damit auch Personenunternehmen von dieser Reform profitieren können,
sie machen 80 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus, können
sie sich zukünftig wie eine Körperschaft besteuern lassen.
Diese Möglichkeit werden künftig auch Freiberufler und
Landwirte bekommen.


Die Entlastung von Arbeitnehmern, Familien und Unternehmen ist eines der
wichtigsten Ziele der Bundesregierung. Für ihre Gesetzesvorhaben
braucht sie jedoch die Zustimmung des Bundesrates. Die CDU/CSU hat eine
konstruktive Mitarbeit angekündigt. Inwieweit dieser Ankündigung
Taten folgen, bleibt abzuwarten.
Die Bundesregierung hat ihre Hausaufgaben erledigt. Bereits am 9.
Februar wird das Kabinett den Gesetzentwurf zur Senkung der Einkommens-
und Unternehmenssteuer beschließen.
EXPERTENSTIMMEN
“Damit verbessert die Regierung die Bedingungen des Investitionsstandortes
Deutschland.”
Hans-Peter Stihl, Präs. Dt. Industrie- und Handelstag
“Es darf keine Steuerreform auf Pump geben. Der Finanzminister verfolgt zu
Recht, wie ich ausdrücklich betone, die Strategie, bis 2005 einen
ausgeglichenen Haushalt zu bekommen.”
Rolf Peffekoven, Mitglied der fünf Wirtschaftsweisen
“Die Richtung stimmt mit der Absenkung der Körperschaftssteuer. Die
Richtung stimmt auch, weil vor allem Sozialdemokraten über die
Barriere des Spitzensteuersatzes hinweggekommen sind.”
Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär Zentralverband
Deutsches Handwerk
“Das war ein sehr gutes Signal zu einer Zeit, zu der man es von der eher traditionell orientierten
SPD nicht erwartet hätte.”
Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank
“Die Entlastung von netto acht Milliarden Mark bei der
Unternehmenssteuerreform ist tolerabel.”
Heinz Putzhammer, DGB-Vorstandsmitglied
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UNSERIÖS
&
UNSOZIAL
Die Steuerpläne der Union
CDU und CSU
haben ihre Pläne zur Steuerreform vorgestellt. Der Spitzensteuersatz
der Einkommenssteuer soll danach drastisch sinken, unter den von
Finanzminister Hans Eichel angestrebten Satz von 45 Prozent. Einig sind
sich die Unionsparteien noch nicht geworden. “Deutlich unter 40 Prozent”
fordert CDU-Chef Schäuble, die CSU hat sich bereits auf 35 Prozent
festgelegt, aus der Union gibt es aber auch Forderungen nach einem
Höchstsatz von nur 28 Prozent. Die SPD hat diese Pläne als
sozial unausgewogen abgelehnt. Finanzminister Eichel warf der Union reine.
“Klientelpolitik” zugunsten von Großverdienern vor. Von der
CDU-Reform profitierten nur wenige sehr Vermögende.
Als unseriös kritisierte Eichel den Verzicht der Union auf eine
Gegenfinanzierung der Reform. Die Behauptung der Union, ihre Steuerreform
finanziere sich durch zusätzliches Wirtschaftswachstum bezeichnete
der Finanzminister als “ein Märchen aus tausend und einer Nacht”. Das
Gesamtentlastungsvolumen der Unionspläne liegt bei 50 Milliarden Mark.
Diesen Betrag nicht gegenzufinanzieren sei “Populismus aus wahltaktischen
Gründen”, so SPD-Finanzexperte Joachim Poss. Er kritisierte den vagen
Vorschlag der Union, den Sparkurs weiter zu verschärfen, ohne zu
sagen, wo genau gespart werden solle. Uneinig sind sich die CDU und CSU
vor allem über die Besteuerung von Sonntags-, Feiertags- und
Nachtarbeit sowie über die Frage, welche Steuersubventionen abgebaut
werden sollen.
Zufrieden zeigte sich Finanzminister Hans Eichel lediglich mit den
Unionsplanen beim Eingangssatz der Einkommenssteuer. Hier sind CDU und CSU
eingeknickt und haben den SPD-Vorschlag von 15 Prozent übernommen |
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Quelle: Vorwärts 2/2000.
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